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Die Löwchen sind eine sehr alte Begleithundrasse. Das bedeutet, dass sie zu keinem anderen Zweck gezüchtet wurden und werden, als dem Menschen ein angenehmer Begleiter zu sein. Daher zeigen sie bestimmte Eigenschaften kaum, auf die bei der Zucht von so genannten Gebrauchshunden großer Wert gelegt wird wie Jagdpassion oder Schutztrieb. Stattdessen achtet man bei der Zucht von Löwchen auf freundliches Wesen, Anpassungsfähigkeit und Sozialverträglichkeit. Dies sowie ihre Lernfreunde und Intelligenz machen sie zu leicht erziehbaren Hunden. Das dennoch manche Besitzer große Schwierigkeiten bei der Erziehung ihres Löwchens haben, hat meist die gleichen Gründe: mangelnde Konsequenz und falsche Methoden.
Konsequenz
Da sitzt also nun dieses hetzallerliebste kleine Fellknäuel mit großen unschuldigen Kulleraugen, das mehr der Welt der Plüschtiere entsprungen als ein leibhaftiger Nachfahre des Wolfes zu sein scheint. Wie sollte man da streng geschweige denn auch mal böse sein können? Und sollte man die nötige Konsequenz auch gerade noch aufbringen können, so sorgen spätestens die vorwurfsvollen Blicke unbeteiligter Dritter dafür, dass man sich bei jedem Erziehungsversuch ganz schnell wie ein Verbrecher fühlt, der aus purer Boshaftigkeit oder herzlosem Unverständnis arme, unschuldige Tier quält, die sich schließlich nicht wehren können. Also lässt man das bald oder startet ein paar halbherzige Alibiversuche und redet sich damit heraus, dass der Welpe ohnehin noch viel zu klein sei und noch nicht verstehen könne, was man von ihm will. Und da ein Löwchen auch mit fünf Monaten noch immer wie ein Plüschtier aussieht, beginnen die echten Erziehungsversuche dann manchmal erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist und ihr vierbeiniger Schlaumeier schon längst genau weiß, wie man Sie um die kleine Pfote wickeln kann. Und das Repertoire unserer kleinen Komödianten ist groß: von flehenden Augenaufschlägen und bettelnden Pfoten bis hin zu gekonnten schauspielerischen Einlagen wie
- das jämmerlich Zittern eines völlig entkräfteten Tieres, das ganz gewiss gleich vor Hunger tot umfallen wird, wenn es nicht sofort etwas von Mamas Leberwurstbrot bekommt
- oder das tapfere Hummelchen eines misshandelten Tieres, das man gezwungen hat, im Regen Gassi zu gehen (unnötig zu erwähnen, dass die Beschwerden innerhalb der trockenen, warmen Wohnung unverzüglich abklingen) usw.
Jeder Züchter verfügt über schier unerschöpflichen Fundus solcher Anekdoten! Der Inhalt dieser gerne erzählenden Geschichten ist aber bei aller Vielfalt immer der Gleiche: Ein inkonsequenter, unsicherer Besitzer, der immer wieder seine eigenen Regeln bricht und ein pfiffiges Hündchen, das die Schwächen seines Besitzers bestens zu nutzen weiß. Die Traurige Hälfte dieser Geschichte handelt von einem inkonsequenten, ungeschickten Besitzer und einem verunsicherten, sehr unglücklichen Hündchen, das die Reaktionen seines Besitzers nicht versteht und immer tiefer in seine Misere schlittert, obwohl es sich doch so sehr Mühe gibt, alles richtig zu machen. Doch wie soll der Hund wissen, was der Besitzer von ihm will, wenn der es selber nicht weiß oder sich mit dem Rest der Familie nicht einigen kann?
Deshalb gilt als erste Regel: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr! (Das heißt, Hans eigentlich schon, aber sein Besitzer nicht!) Deshalb sollte man sich, bevor der Welpe ins Haus kommt, darüber im Klaren sein, was der Hund darf und was nicht. Diese Regeln gelten vom ERSTEN TAG an und sollten von ALLEN Familienmitgliedern eingehalten werden. Das gilt ganz besonders für Ungezogenheiten wie Knurren, Zähnefletschen oder gar Beißen, die zugegeben bei einem zehn Wochen alten Welpen eher niedlich als bedrohlich wirken. Vergessen Sie nicht, dass sehr bald ein Alter erreicht ist, wo das ganze nicht mehr niedlich ist. Und wenn Sie von Ihrer Umgebung so manches Mal der herzlosen Härte bezichtigt werden, dann denken Sie daran, dass es meist dieselben Leute sind, die sich hinterher am lautesten über einen ungezogenen Hund beschweren.
Und vor allen Dingen, denken Sie an Ihren Hunde, der unter der mangelnden Erziehung am meisten zu leiden hat. Niemand mag einen Hund zu Freunden mitnehmen, der dort ständig auf den teuren Teppich pinkelt. Niemand mag einen Hund in ein Lokal mitnehmen, der dort jeden verbellt und anknurrt, der am Tisch vorbeikommt. Niemand mag einen Hund zu einem Ausflug mitnehmen, der nicht folgsam ist und deshalb nicht von der Leine gelassen werden kann. Und das Ende vom Lied ist ein trauriges und sehr einsames Tier, das allein zu Hause eingesperrt ist, während seine Familie aufregende Dinge unternimmt, an denen er doch so wunderbar hätte teilnehmen können. Deshalb, auch wenn Ihnen das im ersten Moment hart vorkommen mag:
Es ist eine Form von Tierquälerei, seinen Hund NICHT zu erziehen. Nur wenn Sie Ihrem Tier beibringen, sich unter Menschen richtig zu verhalten, geben Sie ihm die Möglichkeit, ein glückliches und erfülltes Hundeleben zu führen – und das war es doch, was Sie sich und ihrem neuen Welpen versprochen hatten, damals am ersten Tag, oder nicht?
Und noch etwas: Hunde sind Rudeltiere, die in einem festen Familienverband in einer strengen Rangordnung leben. Das ist ihre natürliche Lebensweise, bei der Sie sich am wohlsten fühlen. Demokratie und gleichberechtigte Partnerschaft gehören NICHT dazu. Wenn Menschen ihre Hunde wie Menschen behandeln, ist das zwar gut gemeint, entspricht aber nicht ihren Bedürfnissen.
Da es in jedem Rudel nur einen Chef geben kann, kommen natürlich auch nur wenige echte Alphatiere zur Welt, die von ihrer Veranlagung her zum Chef geboren sind. Entgegen der landläufigen Meinung zeichnen sich diese Hunde nicht durch Dominanz und Aggression aus, sondern durch Charakterfestigkeit und Gelassenheit. Echte Alphatiere werden deshalb in den seltensten Fällen zu Problemtieren. Kommen Sie in eine schwache Menschenfamilie, so übernehmen Sie selbstverständlich das Ruder und bringen sämtliche Zweibeiner dazu, nach ihrer Pfeife zu tanzen, ohne dass diese sich so recht darüber im Klaren sind – so wie es auch mit dem Hunderudel tun würden. In meinem Löwchenrudel war die alte wie auch die neue Rudelchefin eine kleine, zierliche, besonders freundliche Hündin, der man ihren Rang niemals zutrauen würde. Man muß schon sehr genau hinsehen, um zu bemerken, wer tatsächlich das Zepter in der Hand bzw. Pfoten hält. Die Machtfrage wird auch bei Hunden sehr viel häufiger mit dem Kopf als mit den Muskeln entschieden.
Probleme bereiten stattdessen meistens solche Hunde, die nicht das Zeug zum Alphatier, wohl aber einen ausgeprägten Ehrgeiz haben, eine möglichst hohe Position im Rudel zu übernehmen. Diese Hunde zeigen ein ausgeprägtes Dominanzverhalten, Bereitschaft, ihr Rudel zu verteidigen und erproben immer wieder, wie weit sie sich gegen andere durchsetzen können. In freier Natur werden sie aber stets sofort vom Alphatier zur Ordnung gerufen, sobald sie in ihrem Übermut zu sehr über die Stränge schlagen. Kommen solche Hunde in eine Menschenfamilie, die ihnen nicht diese für sie wichtigen Grenzen absteckt, finden sie sich aus ihrer Sicht unerwartet in der Position des Chefs wieder. Erinnern Sie sich bitte an Ihre eigenen Gefühle, wenn Sie mit einer Aufgabe konfrontiert werden, der Sie sich nicht gewachsen fühlen. Wahrscheinlich werden Sie gestresst, nervös und reizbar sein. Bei Hunden ist das nicht anders. Bevor Sie sich also aus falsch verstandener Hundeliebe einen Problemhund heranziehen, der verzweifelt seine mangelnde Souveränität mit übermäßigen Aggression auszugleichen sucht, erinnern Sie sich bitte daran: Es ist eine Form von Tierquälerei, seinen Hund nicht zu erziehen, denn Sie hindern ihn daran, sich in seinem Menschenrudel sicher und beschützt zu fühlen und ein sorgenfreies Leben zu führen.
Sauberkeit
Land auf Land ab hört man zu diesem Thema noch immer die unumstößliche Meinung, man müssen einen Welpen für ein Pfützchen oder Häufchen am falschen Fleck unverzüglich bestrafen, indem man ihn mit der Schnauze in seine Missetat hineinstupst, ihn dabei am Nackenfell schüttelt und kräftig schimpft.
„Das ist – mit Verlaub – kompletter Unsinn.“
Kein Welpe wird das begreifen. Erstens weiß er nicht, was er mit seiner Nase in seinen Ausscheidungen anfangen soll. Eklig ist so etwas für den Menschen, nicht für Hunde. Riechen und lecken an fremden Ausscheidungen ist für Hunde eine ganz alltägliche Methode, an nützliche Informationen heranzukommen. (Bist Du männlich oder weiblich? Wirst Du bald wieder läufig oder hast Du vielleicht schon Welpen? Ist Nachbars Struppi schon wieder aus dem Urlaub zurück oder ist zwei Häuser weiter ein neuer Hund eingezogen?) Weshalb aber sollte man wohl den eigenen Urin beschnuppern? Und dass es der eigenen ist, riecht man schon aus großer Entfernung, dazu8 braucht man wirklich nicht mit der Nase hinzuhalten! Die Bedeutung dieser Handlung ist nur für einen Menschen nachvollziehbar, für einen Hund ist es vollkommen unverständlich.
Das Schimpfen und Schütteln versteht der Hund allerdings sehr gut. Nur wird er daraus in aller Regel nicht einen so komplizierten Schluss zeihen, dass er AM FALSCHEN ORT sein Geschäft verrichtet hat. Vielmehr wird er sehr bald annehmen, dass es nicht zweckdienlich ist, den Besitzer bei dieser Beschäftigung zusehen zu lassen, weil der sonst jedes Mal sauer wird. Besser man erledigt das dann, wenn der es nicht sieht. Und da der Besitzer bei jedem Gassigang dabei ist und zusieht, wird Ihr Welpe recht bald artig seine Verrichtungen einhalten und sie erst dann erledigen, wenn Sie es nicht sehen können, also zu hause hinter der Tür oder im Nebenzimmer. Dann kommen beim Züchter die verzweifelten Anrufe: „Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll. Ich gehe schon stündlich mit dem Hund raus und er macht nichts. Aber kaum sind wir in der Wohnung zurück, pinkelt er bei der nächsten Gelegenheit“.
Herzlichen Glückwunsch – Sie haben Ihrem Hund ein Kunststück beigebracht, das nur mit größter Mühe und Geduld zu korrigieren ist.
Richtig ist die Erziehung über die so genannte „positive Konditionierung“. Nach dem Schlafen oder Fressen bzw. anfangs am besten ca. alle zwei Stunden bringen Sie Ihren Welpen auf die passende Wiese. Das entsprechende Kommando geben Sie ihm nur dann, wenn er ansetzt, sein Geschäft zu verrichten. Anfangs wird das nur zufällig der Fall sein, deshalb gehen Sie möglichst oft. Sobald es passiert ist, loben Sie Ihren Welpen überschwänglich und erwähnen dabei immer wieder das Kommandowort. Schon sehr bald wird Ihr Welpe begreifen, worauf es ankommt und versuchen, den Erfolg möglichst oft zu wiederholen. Erwischen Sie ihn auf frischer Tat in der Wohnung, nehmen Sie ihn kommentarlos hoch und bringen ihn so schnell wie möglich hinaus in der Hoffnung, dass er dort das Angefangene zu Ende bringt. Tut er das – wieder loben. Tut er das nicht – Pech gehabt. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie ohne Erbarmen auf der Stelle alles liegen und stehen lassen müssen, wenn Ihr Welpe die entsprechenden Anstalten macht, selbst Telefonate müssen abrupt unterbrochen werden, bevor es zu spät ist. Je öfter Sie Ihren Welpen erfolgreich rechtzeitig nach draußen bringen und anschließend kräftig loben können, desto schneller wird er sauber sein. Erst wenn Sie absolut sicher sind, dass der Welpe die Lektion kann, beginnen Sie ihm klarzumachen, wo er sein Geschäftchen nicht machen soll – sofern er dann überhaupt noch unsauber ist. Aber Vorsicht, schimpfen sie zu früh, erwartet Sie eventuell das oben genannte Problem!
Für die Sauberkeit über Nacht gibt es eine sehr bewährte Methode:
Welpen halten von Natur aus ihr Lager sauber. Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Welpe entweder das Lager nicht verlassen will (weil er im Bett schlafen darf) oder nicht verlassen kann (weil er in einem verschließbaren Katzenkorb schläft). Wählen Sie die letztere Methode, wird der Welpe nach dem letzten späten Gassigang in dem Körbchen eingesperrt. Dieses steht natürlich gleich neben Ihrem Bett, erstens weil der Welpe noch die Nähe und den Schutz eines anderen Wesens braucht, und zweitens weil Sie ihn hören, wenn er mal ganz nötig raus muß und unruhig wird. Auf diese Weise entgehen Ihnen die Geschäfte der Nacht nicht und Sie nutzen einen natürlichen Instinkt, um den Welpen recht bald ans Durchschlafen zu gewöhnen. Wachen Sie dann morgens auf, geht der erste Griff zum Bademantel oder Jogginganzug, um den Welpen auf dem schnellsten Weg nach draußen zu bringen, der jetzt ganz sicher ganz nötig muß und nicht mehr so lange einhalten kann, bis Sie im Bad fertig sind. Aber keine Angst, schon nach wenigen Wochen hat er sich Ihrem Rhythmus zu Eigen gemacht. Dann brauchen Sie ihn gar nicht mehr einzusperren und morgens eilt es dann auch nicht mehr ganz so sehr. Sperren Sie Ihren Welpen dagegen in ein anderes Zimmer ein, haben Sie zum einen keine Kontrolle über ihn, was die Sauberkeit sehr erschwert, und zum anderen fügen Sie ihm ein nicht zu unterschätzendes Trauma zu, weil er wie alle Kinder noch klein ist, um alleine zu schlafen, und Ihre Nähe und Geborgenheit braucht.
Aggression
Löwchen neigen ein ganz wenig zur Großmäuligkeit. Manchmal scheint es, als ob sie sich über ihre geringe Größe gar nicht bewusst sind und sich stattdessen für etwas wie eine deutsche Dogge halten. Fremde Menschen oder Hunde werden innerhalb und außerhalb der Wohnung frech verbellt und angeknurrt, so als sei ein Misserfolg dieses dreisten Angriffs völlig ausgeschlossen. In einem Rudel werden solche kleinen Raufbolde schnell eines Besseren belehrt und erzogen. Manche meiner Welpen müssen von den erwachsenen Rudelmitgliedern manche herbe Ohrfeige kassieren, bevor sie gelernt haben, sich mit dem nötigen Respekt zu verhalten. Hunde sind da bei der Erziehung Ihrer Kinder sehr Konsequent, Menschen leider nicht. Viele Besitzer finden es lustig und sind heimlich sogar stolz auf den unerschütterlichen Mut Ihres Hundes. Ganz unvernünftige Menschen fordern solches verhalten sogar bewusst heraus, weil sie meinen, ein guter Hund müsse so sein. Das ist falsch! Ein guter Hund kann und soll seine Familie und sein Revier beschützen, aber er muß auch erkennen können wann. Ein Hund in freier Wildbahn, der Situationen nicht richtig einschätzen kann und deshalb unangemessen überaggressiv reagiert, wird von seinem Rudel verstoßen oder getötet, weil er alle in Gefahr bringt. In einem Menschenrudel läuft das nicht anders. Wer seinen Welpen kein angemessenes Sozialverhalten beibringt, wird früher oder später die Kontrolle über den Hund verlieren.
Und dann dauert es auch meist nicht mehr lange, bis der Hund abgegeben oder5 gar eingeschläfert wird, weil er zu bissig geworden ist und sich selbst und seine Familie dauernd in Gefahr bringt.
Deshalb muß Ihr Welpe unbedingt korrektes Verhalten erlernen. Er wird sich dabei wie in allem genau an ihnen orientieren. Daher lautet die nächste Regel: Verhalten Sie sich eindeutig und in einer für Hunde verständlichen Weise. Erwarten Sie nicht, dass er Ihre Sprache versteht, auch wenn es so aussieht, als verstehe er jedes Wort.
Wenn Ihr Welpe einen Besucher anknurrt, so ist das ganz und gar nicht lustig, auch wenn es zugegeben manchmal schwer fällt, dabei ein Lachen zu unterdrücken. Sobald er dem Welpenalter entwachsen ist, wird Ihnen das Lachen schnell vergehen. Zeigen Sie ihm deshalb, dass er sich falsch verhalten hat: Nehmen Sie eine drohende Körperhaltung ein, sehen Sie ihm direkt in die Augen und schicken Sie ihn mit strenger Stimme weg. Nur wenn Sie in Haltung und Stimme eine eindeutige Botschaft vermitteln, kann Ihr Welpe das verstehen. Und zerstören Sie den Erfolg bitte nicht dadurch, dass Sie sich kurze Zeit Später bei dem sichtlich zerknirschten und vielleicht beleidigten Welpen tröstend entschuldigen. Dieser Impuls ist zwar menschlich verständlich, für den Welpen aber sehr verwirrend.
Was man leider häufiger zu sehen bekommt, ist diese Szene: Der Hund geht aggressiv auf einen Besucher los. Der Besitzer löst das Problem, indem er den Hund hochnimmt, ihn beruhigend streichelt und mit freundlicher Bestimmtheit wortreich auf ihn einredet, dass ein braver Hund sich so doch nicht verhalten dürfe. Der menschliche Besucher hat das verstanden und gibt sich damit zufrieden, bei dem Hund ist etwas ganz anderes angekommen: Hochnehmen und Streicheln bedeuten körperliches Lob, die freundliche Stimme bestätigt das, also habe ich mich genau richtig verhalten und werde es beim nächsten Mal wieder so manchen – wenn möglich sogar noch etwas besser. Ohne es zu bemerken, hat der Besitzer das genaue Gegenteil von dem erreicht, was seine Absicht war. Und in dem Bemühen, seinem Herrn zu gefallen, wird der Hund sein Verhalten immer wieder steigern, bis der verzweifelte Besitzer seinen inzwischen bissigen Vierbeiner nur noch von jedem Besuch wegsperren kann, was dessen Freundlichkeit gegenüber Besuchern auch nicht gerade zuträglich ist. Richtig ist es, jede Aggression gegen Menschen schon im Ansatz unmissverständlich zu unterbinden. Sie als Rudelchef bestimmen, wer willkommen ist und wer nicht. Ebenso bestimmen Sie, ob Ihr Hund seinen Knochen oder sein Futter behalten darf oder ob er auf Ihrem Lieblingsplatz sitzen darf oder nicht. Ein echtes Alphatier (und das sind hoffentlich SIE) duldet in solchen Dingen keinen Widerspruch!
Wir Menschen brauchen Kompromissbereitschaft und Toleranz, um uns in einer Gruppe wohl zu fühlen, ein Hund braucht klar definierte Ränge. Wenn Sie in Ihrer Rolle als Leittier gerecht werden, wird Ihr Hund sehr zufrieden seinen Platz in der Hierarchie einnehmen und sich um so wohler und sicherer fühlen, je stärker sein Alphatier ist. Das erspart ihm Stress, selber die Führung übernehmen zu müssen.
Das Sozialverhalten mit anderen Tieren erlernt Ihr Welpe am Besten, je mehr Sie ihm den Umgang mit anderen Tieren ermöglichen. Da Sozialverhalten erlernt werden muß, sind solche Begegnungen von größter Wichtigkeit. In diesem Lernprozess brauchen Sie sich normalerweise gar nicht einmischen. Geben Sie Ihrem Hund einfach nur die Möglichkeit (z.B. in einer Welpengruppe), und die Tiere bringen sich alles Nötige gegenseitig bei. Im Gegenteil: Je mehr Sie sich überängstlich einmischen, desto mehr verunsichern Sie Ihren Hund und verwehren ihm ungewollt ein normales Verhalten.
„Sie bestärken ihn dann negativ“.
Das sollten Sie absolut vermeiden, denn der Welpe bekommt das Gefühl mit Recht Angst zu haben da Sie ja auch ängstlich sind.
Löwchen sind von Natur aus sehr sozial, also brauchen Sie eigentlich nichts weiter zu tun, als dieser Natur ihren Lauf zu lassen.
Ängstlichkeit
Natürlich sind nicht alle Löwchen solche kleinen Raufbolde. Die meisten sind freundliche Sonnenscheinchen, die sich fast von allein erziehen. Es gibt allerdings auch den sensiblen Hasenfuß, der sich vor allem Fremden fürchtet. Die Besitzer solcher Hunde neigen meistens dazu, sie zu verhätscheln und von solchen beängstigenden Situationen fernzuhalten. Im Zweifelsfall wird der Hund auf den Arm genommen und getröstet und beruhigt. Auch das ist – Sie können es sich schon denken – völlig falsch! Sie von beängstigenden Situationen fernzuhalten, bringt ihnen den Umgang damit nicht bei. Hochnehmen und Trösten bestätigt sie in der Ansicht, dass etwas Schreckliches im Gange ist, vor dem es allen Grund gibt, sich zu fürchten. Und alle Welpen haben den natürlichen Instinkt in Deckung zu gehen, sobald die Alphatiere alarmiert reagieren, in freier Natur ist dieses Verhalten lebenswichtig.
Richtig ist es, sich in solchen Situationen ganz natürlich und fröhlich zu verhalten. Der Welpe wird an Ihrem Verhalten ablesen, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Alle Welpen, besonders aber die ängstlichen, müssen in langsamen Schritten lernen, sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden. Ein guter Züchter wird mit einem entsprechenden Trainingsprogramm schon beginnen, sobald die Welpen alt genug sind, ihre Umgebung wahrzunehmen.
Ab der dritten Woche bekommen die Welpen täglich neue Spielzeuge – mit etwas Fantasie gibt ein normaler Haushalt davon jede menge her: Pappschachteln, geschlossene Flaschen, mit Kies gefüllte Dosen (Vorsicht – keine scharfen Kanten!), zerknülltes Zeitungspapier, Stöckchen, Bälle, an Seilen aufgehängte Plüschtierchen, größere Kartons, die man von innen untersuchen und von außen besteigen kann usw. In der fünften bis siebten Woche bekommen die Welpen stückweise die Möglichkeit, die Wohnung kennen zu lernen. Mit sieben/acht Wochen (nach der Pavo – Impfung) beginnen die Ausflüge in den Garten – im Winter (auch bei Schnee) nur wenige Minuten, im Sommer bis sie müde werden. Sobald der Impfschutz der Grundimpfung steht, stehen Besuche in fremden Wohnungen bei fremden Menschen und möglichst auch Hunden auf dem Programm. Gleichzeitig beginnt das Lerntraining, dazu Näheres im nächsten Kapitel. Die Welpen, die mit zwölf Wochen noch nicht bei Ihren neuen Besitzern sind, lernen dann an der leine auch Straßenverkehr, Fußgängerzonen und Kaufhäuser kennen. Wichtig ist, dass diese Dinge so frühzeitig zwischen der sechsten und sechzehnten Woche kennen gelernt werden, weil da die wichtigste Prägephase ist, in der die Welpen am besten lernen!
Aber Vorsicht, dieses Training wird behutsam aufgebaut, verlangen Sie nicht zu viel auf einmal. Solche Übungen dauern zehn bis höchstens dreißig Minuten. Ihr Welpe soll Freude daran bekommen und nicht einen Schrecken, sobald Sie nach Leine und Autoschlüssel greifen! Lassen Sie jedem sein eigenes Tempo und konfrontieren ihn erst dann mit seiner neuen Situation, wenn die vorherige vertraut geworden ist. Gehen Sie dabei immer fröhlich und spielerisch mit dem Welpen um und erlauben Sie ihm nicht, sich auf Ihren Arm oder Schoß zu verstecken. Besonders Schüchterne kann man auch mit Lieblingsleckerchen ködern, die Sie immer dann und nur dann bekommen, wenn sie sich mit dem Neuen beschäftigen. Fürchtet sich ein Welpe vor fremden Personen, sorgt man dafür, dass ihm jeder fremde Besucher ein Leckerchen geben darf. Fürchtet er sich vor dem Autofahren, wird jede Fahrt damit versüßt. So setzt man einen positiven Anreiz zur Überwindung der Angst.
Verknüpfen Sie zumindest am Anfang dieses Training besser nicht mit irgendwelchen Erledigungen oder Einkäufen. Das dauert meistens doch zu lange und überfordert den Welpen. Machen Sie sich lieber die Mühe, extra zu gehen oder zu fahren. Ihre Aufmerksamkeit soll bei den täglichen Übungen ganz allein dem Hund gehören, er wird es Ihnen später durch Gelassenheit und gutes Benehmen danken.
Leinenführigkeit
Nur zu oft bekommt man das traurige Bild zu sehen, dass ein entnervter Besitzer einen bockigen und verschüchterten Welpen an der Leine hinter sich herzieht in der Hoffnung, dass dieser seinen Widerstand früher oder später schon aufgeben wird. Das ist ebenso grausam wie das gewaltsame Einbrechen von Pferde in früheren Zeiten und fördert sicher nicht das Vertrauen Ihres Hundes in Sie. Mit den richtigen Tricks ist die Leinenführigkeit eine der einfachsten Lektionen.
Beginnen Sie an einem ruhigen Ort, möglichst weit weg von der nächsten Straße, im eingezäunten Garten, in einem ausreichend großen Park oder im freien Feld. Falls sich der Welpe durch irgendwas erschrecken sollte, wird er nämlich erst einmal in eine beliebige Richtung weglaufen, um Deckung zu suchen, und dabei nicht gerade auf fahrende Autos achten. Dort legen Sie ihm Halsband und Leine an und lassen die Leine am Boden liegen. Dann entfernen Sie sich ein paar Meter und rufen den Welpen zu sich. Die übermächtige Furcht davor, Sie zu verlieren, wird jeden Welpen dazu bringen, hinter Ihnen herzulaufen, auch wenn er dabei dieses komische Ding an seinem Hals hinter sich herschleifen muß. Sobald er bei Ihnen ist, wird er gelobt und mit einem Leckerchen belohnt. Diesen Vorgang wiederholen Sie, bis er mit der losen Leine hinter Ihnen herläuft. Diese Übung dauert am Anfang immer nur fünf bis zehn Minuten, ein oder zweimal pro Tag! Sobald der Welpe bereitwillig folgt und sich an der losen schleifenden Leine nicht mehr stört, nehmen Sie die Leine vorsichtig auf. Kommt er weiterhin mit, wird er gelobt und belohnt, ist er unschlüssig, wird er mit einem Leckerchen gelockt. Bietet er Widerstand, lassen Sie die Leine los und über noch etwas weiter. Werden Sie dabei niemals ungeduldig und fangen an, an der Leine zu ziehen. Je geduldiger Sie sind, desto schneller klappt es. Der Welpe soll schließlich lernen, an der Leine zu gehen, und nicht, sich davor zu fürchten!
Sie werden sich wundern, wie schnell der Welpe begriffen hat, was Sie von ihm wollen. Sobald er Ihnen bereitwillig an der (wenigsten 1,5 Meter langen!) Leine folgt, muß er lernen, sich von der Leine lenken zu lassen. Dazu reduzieren Sie immer weiter Zuwendung und Belohnung. Haben Sie Anfangs jede Richtung durch Rufen angezeigt und mit Leckerchen belohnt, ändern Sie nun Ihre Richtung ohne jeden Kommentar. Ist der Hund unaufmerksam, ist ein unangenehmer Ruck am Halsband die unweigerliche Folge. Wichtig ist, dass Sie sich nach einem solchen Ruck völlig unbeteiligt geben, so als hätten Sie gar nichts bemerkt. Ihr Hund soll weder glauben, Sie hätten ihn absichtlich bestraft, noch soll er für sein Missgeschick getröstet werden. So bringt er diese Erfahrung nicht unmittelbar mit Ihnen in Verbindung. Er wird aber sehr schnell begreifen, dass es nützlich ist, sich auf den Besitzer zu konzentrieren, um Richtungsänderungen rechtzeitig mitzubekommen. Und er wird sich Unarten wie Zerren oder Bummeln erst gar nicht aneignen, weil er viel zu sehr damit beschäftigt ist, auf seinen Besitzer zu achten.
Folgsamkeit
Sobald der Welpe älter wird, kommt unweigerlich auch mehr Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit. Nun wird er sich weiter von ihnen entfernen und gelegentlich ausprobieren, wie weit er sich ungestraft von Ihnen entfernen kann. Wenn er dabei seine Ohren auf Durchzug stellt und Ihr Rufen ignoriert, dürfen Sie keinesfalls anfangen, ihm rufend nachzulaufen, um ihn wieder einzufangen. So lernt er lediglich, dass Sie schon hinterherkommen, wenn er etwas Interessantes entdeckt hat und sich entfernt, und dass er sich noch nicht einmal nach Ihnen umdrehen muß, weil er Sie ja laut und deutlich hören kann. Wozu sollte er dann noch auf Sie reagieren? Verschaffen Sie ihm die gegenseitige Erfahrung, dass es sehr unangenehme Folgen hat, nicht zu hören. Sobald er sich entfernt und nicht auf Ihren Ruf reagiert, drehen Sie sich wortlos um und gehen in die Entgegengesetzte Richtung oder verstecken sich. Einem jungen Hund fährt ein größerer Schrecken in die Knochen, wenn er bemerkt, dass er den Anschluss an sein Rudel verloren hat.
Wenn er dann schnellstens sein Versäumnis nachholt und zu Ihnen kommt, dürfen Sie ihn keinesfalls für seinen Ungehorsam strafen. Er wird Ihr Schimpfen sonst mit seinem Wiederkommen in Verbindung bringen und sich künftig fürchten, Ihrem Ruf zu folgen. Sobald er ein paar Mal die Erfahrung gemacht hat, dass Ungehorsam zu Ihrem plötzlichen Verschwinden führen kann, wird er Ihnen sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Und natürlich sollte Folgsamkeit gelobt werden.
Lassen Sie niemals Ihren jungen Hund aus Bequemlichkeit alleine Gassi gehen, auch wenn Ihre Wohnlage das erlauben sollte. Abgesehen davon, dass das für den Hund sehr gefährlich werden kann (Autos, Beißereien ect.), gewöhnen Sie ihn auch an Unternehmungen auf eigene Faust dann brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn er bei gemeinsamen Spaziergängen plötzlich auf die Idee kommt, ohne Sie weiter zu gehen. Und wenn er am Stromern erst Geschmack gefunden hat, werden Sie bald einen sehr ungehorsamen und unzuverlässigen Hund haben.
Alleine bleiben
Kein Hund bleibt von Natur aus alleine. Das ist etwas, was gelernt werden muß. Ganz wichtig ist: Üben Sie vom ersten tag an! Viele Besitzer nehmen sich in den ersten Wochen besonders viel Zeit für den neuen Welpen. Das ist sehr gut das gegenseitige kennen lernen und für die Grunderziehung. Nur gewöhnt sich der Welpe auf diese Weise an ständige Zuwendung und Gesellschaft und will dann nachher nicht mehr darauf verzichten. Er versteht nicht, dass irgendwann der Alltag einkehrt, wo seine Menschen nicht mehr dauernd Zeit für ihn haben und ihn auch mal alleine lassen müssen. Deshalb gewöhnen Sie ihn vom ersten tag an den Alltag. Dazu gehört eben auch das Alleine bleiben.
Sie beginnen damit, dass Sie mehrmals am Tag den Raum verlassen, während der Hund zurückbleibt. Nach kurzer Zeit (anfangs vielleicht nur wenige Minuten) kommen Sie zurück. Dabei sollten Sie sich ganz natürlich verhalten und dem Hund keine große Beachtung schenken. Wenn Sie ihn beim Hereinkommen erst mal loben, zeigen Sie ihm damit, dass etwas Außergewöhnliches passiert ist und genau das soll der Hund ja NICHT denken. Wenn Sie hinausgehen und der Welpe fängt an zu heulen und an der Tür zu kratzen, kommt einer der schwierigsten Teile der Erziehung. Denn nun dürfen Sie auf keinen Fall zurückgehen und den Welpen trösten, sonst wird er für sein Verhalten belohnt und macht es beim nächsten Mal erst recht wieder so. Statt dessen MÜSSEN Sie ihm klarmachen, dass er sich falsch verhält. Also gehen Sie zurück und schimpfen ihn durch die geschlossene Tür – nicht öffnen -, um dann sofort wieder zu gehen. Ich weiß genau wie schwer das ist! Mir fällt das bis zum heutigen Tag nicht leicht – man möchte doch so gerne trösten weil der Kummer doch so verständlich ist. Denken Sie halt daran, dass Sie dem Hund mit falschen Reaktionen letztlich keinen Gefallen tun, denn lernen muß er diese Lektion nun mal. Jeder hat Nachbarn, die stundenlanges Heulen auch bei bestem Willen nicht ewig ertragen. Und dem Hund tut diese Aufregung auch nicht gut. Also: Wenn er heult, zurückgehen, schimpfen (durch die geschlossene Tür), fortgehen, wenn nötig zwei oder dreimal hintereinander. Bleibt er ruhig, kommen Sie zurück, ohne den Hund groß zu beachten. Sie haben eben etwas ganz Normales getan, das keine besondere Beachtung, schon gar keine Belohnung braucht. Diese Übung wiederholen Sie mehrmals täglich. Wenn es gut klappt, dehnen Sie die Zeitspanne des Fortbleibens immer wieder aus. Diese Übung ist von größter Wichtigkeit. Ein Hund, der nicht alleine bleiben kann, wird zu einer großen Belastung.
Besonders wenn der Welpe in einer Familie mit mehreren Kindern kommt, wo eigentlich immer jemand im Haus ist, müssen diese Übungen extra für den Hund arrangiert werden. Auch in der größten Familie ist irgendwann mal keiner da.
Fazit
Zum Schluss noch eines: Manch einer mag bei dieser Lektüre einen Schrecken bekommen haben, dass Hundeerziehung doch viel Scherer wäre, als man sich das vorgestellt hat. Manch einem mögen jetzt Zweifel kommen, dass er dieser Aufgabe vielleicht nicht gewachsen sei. Dann möchte ich Sie jetzt beruhigen. Es wird viel leichter sein, als Sie denken. Dies hier sind einfach einige gute Ratschläge, um Fehler zu vermeiden, die zu Schwierigkeiten mit Ihrem Hund führen könnten, aber nicht notwendigerweise müssen. Löwchen sind schlau. Sie verstehen vieles auch dann, wenn sich ihr Besitzer ungeschickt benimmt. Aber wenn Sie es von Anfang an gleich richtig anstellen, werden Sie und Ihr Löwchen es viel leichter haben. Und im Zweifelsfall gibt es immer noch mich Ihre Züchterin, die Ihnen jederzeit gerne mit Rat und Tat zu Seite steht und weiterhilft.
Auf das Sie alle ein glückliches, zufriedenes und vor allem langes Leben gemeinsam führen werden.
( copyright by Felizitas Dickeler )
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